Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Januar 2008

Ich höre Istanbul

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Zuers weht ein leichter Wind,

Leicht bewegen sich

Die Blätter in den Bäumen.

In der Ferne, weit in der Ferne.

Pausenlos die Glocke der Wasserverkäufer.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

In der Höhe die Schreie der Vögel,

Die in Scharen fliegen.

Die großen Fischernetze werden eingezogen,

Die Füße einer Frau berühren das Wasser.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Der kühle Basar,

Mahmutpascha mit dem Geschrei der Verkäufer,

Die Höfe voll Tauben.

Das Gehämmer von den Docks her;

Im Frühlingswind der Geruch von Schweiß.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Im kopf den Rausch vergangener Feste.

Eine Strandvilla mit halbdunklen Bootshäusern,

Das Sausen der Südwinde legt sich.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ein Dämchen geht auf dem Gehsteig.

Flüche, Lieder, Rufe hinter ihr her.

Sie läßt etwas aus der Hand fallen,

Es muß eine Rose sein.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ein Vogel zappelt an deinen Hängen.

Ich weiß, ob deine Stirn heiß ist oder nicht,

Ich weiß, ob deine Lippen feucht sind oder nicht.

Weiß geht der Mond hinter den Nußbäumen auf,

Ich weiß es von deinem Herzschlag.

Ich höre Istanbul.

ORHAN VELI KANIK
Advertisements

Read Full Post »