Die Hethiter

Eine unbekannte Weltmacht

Die Hethiter sind nach dem Untergang ihres Reiches fast völlig in Vergessenheit geraten. Sie waren gute Diplomaten, verfügten über Waffen aus Stahl, und dank der Toleranz des Volkes, das im heutigen Anatolien zu Hause war, mussten auch unterworfene Völker nicht fürchten, ihre Religionen und Traditionen aufgeben zu müssen

Der rätselhafte Untergang des Hethiterreiches stellt die Archäologie noch immer vor ein Rätsel. Ihre Frauen waren gleichberechtigt, die Todesstrafe abgeschafft, selbst Sklaven hatten gewisse Rechte. Was wie die Grundlagen für einen modernen Staat anmutet, wurde bereits vor über 3000 Jahren im Vorderen Orient vom Volk der Hethiter verwirklicht. Wegen ihrer Waffen aus Stahl galten sie für ihre Handelspartner, die Babylonier, Ägypter und Assyrer, als nahezu unbesiegbar. Außerdem waren die Hethiter vermutlich die Ersten, die auf zweirädrigen Kampfwagen in die Schlacht zogen. Ihre schnellen und wendigen Streitwagen trugen entscheidend zur militärischen Überlegenheit bei und versetzten sie in die Lage, gegen die Ägypter zu Felde zu ziehen. Auch das sagenhaft reiche Troja wurde von ihnen unterworfen. Doch die Hethiter hatten es nicht nur auf eine Vergrößerung ihres Territoriums abgesehen. Obwohl sie bei der Schlacht von Kadesch Pharao Ramses II. in die Flucht geschlagen hatten und damit eigentlich die Sieger waren, schlossen sie einen Waffenstillstand, den man später auf Tontafeln festhielt. Eine Kopie dieses ältesten Friedensvertrages der Welt hängt heute im UN-Gebäude in New York.

Tontafeln künden auch vom Alltag der Hethiter, von ihren kultischen Handlungen und ihren Bräuchen. Mehr als 30 000 Fragmente wurden bis heute gefunden und entziffert, sodass man nicht nur von ihren fünf verschiedenen Bierarten und ihren 146 Brotsorten weiß. Auch Sitzbadewannen und ein modernes Abwassersystem gehörten bereits 1500 Jahre vor Christus zum hethitischen Standard. Doch Toleranz und Fortschritt reichten nicht aus, um der Großmacht ewigen Nachruhm zu sichern.

Die noch erhaltenen Denkmäler wurden von Archäologen kaum beachtet, vorsätzlich falsche Geschichtsschreibung leitete die Forscher zusätzlich in die Irre. Jahrtausendelang kamen die einst so ruhmreichen Hethiter nur noch als kleine Randnotiz in der Bibel vor. Bei Grabungen in Hattusa fand man mehr als 10 000 Keilschrifttafeln, die 1915 von türkischen und deutschen Wissenschaftlern entschlüsselt wurden und einen tiefen Einblick in das Leben und den Alltag der Hethiter geben. Auch über die Religion des vergessenen Volkes mit seinen vielen Gottheiten geben die Tontafeln Auskunft. Sie entstand aus der Verschmelzung verschiedener Traditionen. Die unterworfenen Völker wurden zwar versklavt, doch sie mussten ihr kulturelle Identität nicht aufgeben. Die Hethiter huldigten auch den fremden Göttern und verfassten sogar Festrituale und liturgische Gesänge in den entsprechenden Spachen.

Doch ein großes Rätsel vermögen auch die Keilschrifttexte nicht zu lösen: Um 1200 v. Chr. verließen die Hethiter ihre Hauptstadt, die kurz darauf in Flammen aufging.

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