Göbekli Tepe

Göbekli Tepe

Ein frühneolithisches Bergheiligtum im südosttürkischen Taurusvorland 

Göbekli Tepe erinnert an das 6000 Jahre jüngere Stonehenge in England. Der kreisförmige Kultplatz diente als eine Art kosmischer Kalender, um im Sommer und Winter präzise die Sonnenwende anzuzeigen. Für die Inselbewohner in jener Zeit eine unerlässliche Orientierungshilfe im Planspiel kultischer Rituale. Am Nabelberg stehen die Wissenschaftler am Anfang ihrer Forschung, doch sicher ist, dass die Meter hohen Erdschichten, die den Komplex bis vor kurzem bedeckten, sich nicht durch Erosion oder Erdbeben auf die alten Gemäuer gelegt haben. Die Anlage wurde vor Urzeiten gezielt zugeschüttet.  Spektakulärer sind die vier bisher ausgegrabenen, meist kreisrunden „Tempel“-Anlagen, die offenbar nicht überdacht waren. In ihrer Mitte stehen jeweils zwei T-förmige Pfeiler – mehrere Meter hoch und bis zu zehn Tonnen schwer. Ein noch im nahen Steinbruch liegender Pfeiler ist sogar sieben Meter lang und wiegt 50 Tonnen. Eingefasst werden die Pfeilerpaare von Steinmauern, aus denen weitere Pfeiler ragen. 43 Pfeiler sind bereits ausgegraben, und auf vielen finden sich jede Menge hinreißender Reliefs, meist von Tieren: Schlangen, Kranichen, Keilern, Enten, Vögeln, Stieren, Füchsen… Mindestens weitere fünfzehn Anlagen mit über 200 Pfeilern könnten noch freigelegt werden. Dann erst, so die Hoffnung, wird man das System und den Sinn der Tierreliefs verstehen können. Dann erst wird sich sagen lassen, ob die Menschen vom Göbekli Tepe vielleicht schon eine einfache Bild- oder Hieroglyphenschriftschrift entwickelt hatten.Bisher glaubte niemand, dass die Menschen vor 12000 Jahren in der Lage waren, tonnenschwere Steine zu meißeln, zu transportieren und in großen Ensembles zu arrangieren. Das Vorhaben war hoch kompliziert, es muss Jahrzehnte beansprucht haben – und war deshalb für die Erbauer existenziell wichtig. Zudem gab es auf dem steinigen Hochplateau um den Göbekli Tepe weder Wasser noch die Möglichkeit zu Ackerbau und Viehzucht. Es war ein heiliger Ort, ein groß angelegtes religiöses Heiligtum, das Jahrtausende lang genutzt wurde. Und zwar nicht von sesshaften Menschen, sondern von Jägern, deren Kultur nach und nach erlosch.

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